Mittwoch, April 12, 2006

Schullegenden

So langsam beginnt dieser Blog mir Spaß zu machen und entwickelt sich zunehmend zu einer Reise in die eigene Vergangenheit.
In der Dementenbetreuung nennt man so etwas übrigens Biographiearbeit. Egal.

Jedenfalls habe ich mich entschlossen, einige der Schulgeschichten hier zu veröffentlichen. Vorkommnisse, wie sie auf keiner offiziellen Seite des 5. Gymnasiums erwähnt werden und die doch wahr sind. Geschichten wie "Das Käfermassaker", "Staubsauger des Grauens", "Silvio und die Todesspritze" oder eben "Der geheimnissvolle Scharfschütze". Damit wollen wir nun beginnen.

Der geheimnissvolle Scharfschütze
Es trug sich zu, dass unser Schulhof tief verschneit vor sich hin dämmerte. Plötzlich erschallte der Ruf zur großen Pause. Ein paar Unerschrockene trotzten der Kälte, rannten hinaus und formten in ihren Händen ergonomisch und aerodynamisch durchaus ausgereifte Wurfgeschosse. Dann erschienen die anderen Mitglieder der Schule am Ausgang. Mit einem mal flog eine Salve von circa 30 dieser tödlichen Geschosse in ihre Richtung. Ein paar der Opfer warfen sich verzweifelt Deckung suchend auf die Treppe. Andere duckten sich angsterfüllt. Aber nur wenige konnten entkommen.
Ein Schneeball traf so gut, dass das Opfer unfreiwillig aber auf direktem Wege in die Schule zurückkehrte. Fallend. Nach eigenem Bekunden blind. Trotzdem habe sie den Übeltäter eindeutig identifiziert, sagte sie später aus. Einen gewissen Stefan L.
Dieser war ab diesem Zeitpunkt als Mörder, Schlächter, Scharfschütze, Augenlichträuber und "wir haben es schon immer gewußt" verschrien.
Wie sich herausstellte völlig zu Unrecht. Dennoch: Der aufgebrachte Mob aus Lehrern und einigen wenigen verräterischen Mitschülern wollte Lynchjustiz. Gandenlos. Unverzüglich. Auge um Auge. Brutale schnelle Rache.
Glücklicherweise sammelten sich die Gerechten, bei denen sich ein gewisser Guntram K. besonders hervortat und forderten, dass auch ein Schneeballschütze seine in der Verfassung garantierten Rechte wahrnehmen dürfe. Unschuld - bis zum Beweis des Gegenteils. Flammende Reden wurden gehalten, Aussprachen gesucht und ein geradezu sizilianisches Schweigegelübde eingefordert.
Mit Erfolg: Stefan L. wurde freigesprochen und völlig rehabilitiert. Nach endlosen schlaflosen Nächten und unzähligen ebenso brutalen wie erfolglosen Verhören gab auch das extra eingesetzte Sonderkommando "Vorkommnis Eisball" unter Leitung der Beate B. entnervt auf. Das Opfer des Angriffs wurde übrigens (vermutlich durch Handauflegen) auf wundersame Weise vollständig geheilt.
Der wahre Täter jedoch wurde nie gefunden. Einige wenige Auserwählte wissen um die wirkliche Identität des geheimen Scharfschützen. Doch ein diabolischer Eid zwingt sie, für alle Zeiten zu Schweigen.

Tja und die Moral von der Geschichte: Seid bloß vorsichtig, wenn es bei unserem Schultreffen schon geschneit haben sollte.

Frohe Ostern!!!

Hinweis: Dieser Eintrag ist Satire. Selbstverständlich führte Beate B. niemals eine Sonderkommission unter dem Namen "Vorkommnis Eisball" und wendete selbstverständlich ebenso keinerlei "brutale Verhörmethoden" an. Das Lehrerkollegium des 5. Gymnasiums hatte in Wirklichkeit selbstverständlich auch nie vor, Stefan L. für die ihm vorgeworfenen Taten zu "lynchen". Klagen oder Abmahnungen gegen meine Person sind daher zwecklos. Der rechtliche Hinweis der Satire gilt auch für alle weiteren Geschichten dieser Art. Danke. :-)

2 Kommentare:

Anne hat gesagt…

Aaahh, die alten Zeiten. ;-) Erinnert Ihr Euch noch, als Maik mal in so'nem komisch bunten Outfit in die Schule kam? Das war, nachdem uns Herr Neumann mal einen Vortrag über "richtige" Kleidung in seinem Unterricht gehalten hatte. Und selbst trug er doch manchmal wirklich merkwürdige Klamotten: Ihr kennt noch sein Biene-Maja-T-Shirt???

;-)

Viele Grüße!

denis hat gesagt…

Dieser verdammte diabolische Eid. Seit zehn Jahren, ach was sage ich da, es müssen mehr sein, muss ich dieses Geheimnis mit mir herumschleppen...

Grüße